Ein Abend - Gedicht von René Avold
Ein Abend
Ein Tag, ein leerer Tag,
Das Denken steht still
In der Tiefe des Sinnes
Ein untergründiges Raunen,
Die Dumpfheit angreifend,
Stücke von Gedanken
Der vorigen Tage
Erscheinen, verschwinden,
Nicht gehalten werden
Im Grund, auf dem
Die Seele ruht.
Der Abend dann
Der Berg im Schatten des Berges
In rostrotem Licht
Dunstig das Tal in der Ferne
Ein leichter Wind
Und das Leuchten der Nacht.
Es ist Zeit, die Truppen zu sammeln
Zu notieren, zu sagen, was ist:
Das Leben wankt
Jetzt auf der Höhe der Welle
Gleich darauf dann im Tal
Und droht zu versinken.
Leben ist nicht Besitz
Ist Hauch, ist Funke,
Flüchtig wie diese.
Wie wär´ es zu halten,
Wie halten Funke und Hauch?
Das Tao, ihr Wille
Hält es allein
Du musst dich nicht sorgen
Setz dich nur einfach hin,
Halte dein Glas, trink,
Es geht doch von selbst.
Tief in dir hält sich der Hauch
Der Funke des Lebens,
Wie in der Spinne hier,
Der Mücke, den Schwalben am Himmel.
Glaubst du, sie alle wollten
Nur leben und Leben genießen?
Das ist menschlicher Irrtum,
Menschliche Hybris.
Bauen wir die Natur?
Wir verändern in unserem Sinne.
Dies hält sich wohl eine Weile,
Dann bricht die Welle,
Erschlägt das menschliche Werk,
Natur überwucherts.
Wie wäre Ninive jetzt,
Babylon, die Städte der Griechen?
Einst prächtig und schön,
Jetzt in Trümmern.
Haus und Stein,
Bild und Buch
Und Denken des Menschen,
Staub!
Euch hat man gelehrt,
Ihr wäret, jeder von euch
Das Zentrum der Welt.
Was für ein Unsinn!
Ihr seid nur ein Stäubchen
Alle, wir alle, wie Gras,
Bäume und Tiere.
Wo ist der Unterschied?
Die Hüterin, Gott, hält sie nur alle.
Ein Stäubchen im All
Und doch ein Mensch.
So lebe doch menschlich!
Wende dich um zum Tal
Sieh nur die Häuser,
Menschen leben dort
Im Frieden, im Hass auch,
Sie leben und sterben,
Wie´s ihr gefällt.
Glaubst du, nur einer hätte
Die Fäden selbst in der Hand?
Lass es einfach geschehen,
Pflege den Geist, die Seele, den Körper.
Halte eng zur Natur.
Fass an die Erde, den Stamm
Des Pflaumen tragenden Baumes.
Und pflanze, erfülle Natur
Mit Früchten des Gartens.
Streichle den Hund, das Kätzchen,
Und freu dich des Lebens.
Fülle auch deinen Geist
Mit den Gedanken der Alten.
Es füge Neues hinzu, wer kann,
Ein Büchlein, reiflich durchdacht.
Ein Bild, ein Gedicht
Zum Ruhme der Göttin,
Des Gottes, den niemand kennt,
Zum Ruhme des Tao.
René Avold, 1981